
Der Schweizerische Drummer- und Percussionisten-Wettbewerb (SDPW) findet dieses Jahr das 24. und letzte Mal statt: Zeit für einen Rückblick, ein Fazit und ein grosses Dankeschön.
Der Event ist mittlerweile europaweit der
grösste und renommierteste Wettbewerb für Schlagzeuger und
Percussionisten. Auch internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
vor allem aus Deutschland und Österreich, machten sich jedes Jahr
auf ins Luzerner Hinterland. Besucht wurde der Anlass aber auch
schon von Teilnehmern aus Polen, Taiwan oder China. Der Wettbewerb
lebt von einer Vielfalt an Kategorien, vielen begeisterten
Nachwuchstalenten aus verschiedenen Sprachregionen, einer
Top-Fachjury und dem Treffen mit grossen Stars der Szene. Kurz: die
Drummer-Welt trifft sich alljährlich im beschaulichen und
idyllischen
Dorf Altishofen.
Vom regionalen zum internationalen
Wettbewerb ...
1987 fand ein erster regionaler Wettbewerb in Altishofen statt, 1994
hat Sepp Glanzmann den SDPW in die Welt gerufen. Seit er denken
kann, begeistert sich der Initiant und Gründer des Schlagzeugshops
Glanzmann für die Welt rund um das Schlagwerk. Mit dem Wettbewerb
wollte er musikinteressierten Jugendlichen die Möglichkeit geben,
ihr Können zu zeigen, sich mit anderen zu messen, Neues zu lernen
und die Begeisterung für ihr Instrument weiterzugeben. Wer den
Wettbewerb in Altishofen einmal besucht hat – egal ob Profi
oder Laie-, ist danach definitiv davon begeistert. Vielleicht liegt
dies an der Wettbewerbs-Atmosphäre oder den hochstehenden Vorträgen
der blutjungen Teilnehmer, der Begeisterung in den Augen der
Teilnehmer, der Unterstützung der Bekannten und Verwandten, dem
Auftreten vor der Jury oder vielleicht auch einfach am speziell
guten Groove des SDPW. Was vor 24 Jahren klein angefangen hat, hat
sich in den Jahren zu einem grossen Event entwickelt ohne dabei
seinen Charme zu verlieren. Dieses Jahr finden 16 verschiedene
Kategorien statt. Der Musikschulverband, der Schweizerische
Blasmusikverband und andere attestieren dem Wettbewerb
Nachwuchsförderung auf höchstem Niveau.



Nie hätte Sepp Glanzmann 1994 eine solche Entwicklung des Wettbewerbs erwartet. Vor allem bei den Klassik-Instrumenten war der Erfolg nicht voraussehbar. Das Niveau des Wettbewerbs und der Teilnehmer hat sich von Jahr zu Jahr positiv verändert. Den Teilnehmerrekord verzeichnete der Anlass im Jahr 2011 mit rund 360 Teilnehmenden.
Der Auftritt eines Stardrummers war viele Jahre, neben den interessanten Vorträgen, am Samstagabend das grosse Highlight des Wochenendes. Weltweit bekannte Drummer haben schon den Weg nach Altishofen gefunden. Darunter waren grosse Namen wie Mylious Johnson (Pink), Jojo Mayer (Nerve), Marco Minnemann (H-Blockx, Udo Lindenberg, Nena) oder Shauny Baby (Salt N‘ Pepa, Hillary Duff), welche es allesamt genossen vor einem grossen Fachpublikum zu spielen und den Nachwuchs-Talenten noch mehr Begeisterung für ihr Instrument mitzugeben. Einer der legendärsten Auftritte bot Nicko McBrain von Iron Maiden. Vor drei Jahren hat sich das OK entschieden, diesen speziellen „Sendeplatz“ am Samstagabend den Teilnehmern selbst zu überlassen. Die neue Show-Kategorie „Drum-Battle“ wurde ins Leben gerufen. 2 Schlagzeuger duellieren sich jeweils auf der Bühne und im Knock-Out-Verfahren wird schlussendlich aus 10 qualifizierten Teilnehmern ein Battle-Sieger erkoren. Diese Show begeisterte das Publikum und zeigt auf, dass das OK über die vielen Jahre hinweg immer innovativ blieb und neue Kategorien oder Show-Blöcke ins Leben gerufen hat.
Es blieb meist nicht beim
3-Minuten-Vortrag auf der Bühne in Altishofen ...
Schon viele Musik-Karrieren haben in Altishofen begonnen. In der
nationalen, sowie internationalen Drummer-Szene gibt es einige
bekannte Schweizer Namen und viele von Ihnen standen schon einmal
oder sogar mehrere Male auf der Siegertreppe des SDPW.
So zum Beispiel der Thurgauer Massimo
Buonanno. Er wurde 1999 Schweizer Meister am Drum-Set und holte sich
2003 den ersten Platz bei den Advanced Drummer. Mittlerweile ist er
in der Schweiz ein gefragter Schlagzeuger und spielte schon für
bekannte Namen wie Marc Sway, Seven, Myron, Phil Dankner oder Rolf
Stahlhofen. Ein anderer bekannter Name ist jener von Domenico Carlo
Melchiorre. Er gewann gleich drei Mal, nämlich 1999, 2001 und 2003
in der Kategorie «Klassik». Nun spielt er regelmässig am Lucerne
Festival und
in diversen Ensembles sowie Sinfonieorchestern. Auch jüngste
Beispiele wie das von Roberto Carella, welcher im Jahr 2014 die
Kategorie Advanced Drummer und 2015 das erste Drum-Battle gewonnen
hatte und nun mit Luca Hänni, Trauffer, Dabu Fantastic und vielen
anderen tourt, zeigen auf wie erfolgreich die Teilnehmer danach
sind. Das sind nur einige Beispiele von vielen. Wenn man die
Teilnehmer und Gewinner des SDPW googelt, so trifft man auf diverse
Profimusiker. Neben der Möglichkeit vor Fachpublikum zu spielen hat
der SDPW diese Karrieren dank Sponsoren auch durch lukrative Preise
gefördert. Workshops an der Drum School the collective in New York,
Workshops an der Akademie von Katarzyna Mirka, Bootcamps bei Thomas
Lang oder der diesjährige Battle-Preis – ein Drum Camp mit Tom Beck
in Sardinen – sind nur einige Beispiele davon.

Dieses Jahr lockt in der Kategorie Xylophon II ein ganz spezieller Preis. Das Aufgabenstück ist eine Eigenkomposition für den SDPW und die Siegerin oder der Sieger darf diese Komposition mit der Nationalen Jugend Brass Band (NJBB) uraufführen. Diese Komposition treibt die Attraktivität des Xylophons als Soloinstrument weiter voran. Die Möglichkeit dieses Solo auf der grossen Bühne präsentieren zu dürfen, macht diese Kategorie dieses Jahr besonders speziell.
Der SDPW ist somit ein Sprungbrett und Motivationsevent für alle jungen Musikerinnen und Musiker, welche genügend Ausdauer besitzen, um ihren grossen Traum zu verwirklichen.
Eine gut funktionierende
Drummer-Fasmilie ...
Der immer grösser werdende Anlass benötigt auch professionelle
Organisationsstrukturen. Ein fast 20-köpfiges Organisations-Komitee
und eine 7 köpfige Geschäftsleitung sorgten jedes Jahr für einen
reibungslosen Ablauf des Events. Zudem wurde 2002 eine
Gönnervereinigung gegründet. Die meisten OK-Mitglieder sind schon
seit Jahren mit dabei und greifen auf einige Jahre Erfahrung zurück.
Vom Initianten Sepp Glanzmann
wurde das OK-Präsidium einst an Fredy Wyss und vor vier Jahren an
René Huber übergeben. Mittlerweile fordert der SDPW jedes Jahr eine
grosse und detaillierte Vorbereitung. Bei der grossen Anzahl
Teilnehmer ist eine minutiöse Planung nötig. Jedes der zur Verfügung
stehenden Vortrags- oder Einspiellokale ist über das ganze
Wochenende verplant. Auch die Logistik fordert einige Organisation,
die einzelnen Lokale müssen den Bedürfnissen entsprechend
eingerichtet und während dem Anlass – manchmal in nächtlichen
Einsätzen
– umgebaut werden. Dabei helfen zuverlässige Leute der
Musikgesellschaft Altishofen – eine gut funktionierende
Drummer-Familie eben – jeder hilft jedem.
Auf hohem Niveau den letzten Anlass
durchführen ...
Wie sie selbst lesen können, der SDPW in Altishofen ist eine
Erfolgsgeschichte. Kein Wunder also waren viele Besucher, Teilnehmer
und Aussenstehende überrascht über die Nachricht, dass dieses Jahr
der letzte Anlass durchgeführt wird. Wer die Drummer-Familie aber
ein bisschen besser kennt und auch die teilweise schwierigen
Entwicklungen in den letzten Jahren mitbekommen hat, kann den
Entschluss nachvollziehen. Die Geschäftsleitung hat diesen Beschluss
im Jahr 2015 schweren Herzens getroffen. Der Kopf hat gegen
das Bauchgefühl gesiegt. Trotz der beschriebenen Attraktivität des
Wettbewerbs, war das Interesse über die letzten Jahre hinweg
rückläufig. Dies drückte sich in sinkenden Teilnehmer- und
Besucherzahlen aus. Die innovativen Neuerungen von Kategorien,
Workshops oder der Rahmenprogramme konnten zwar dieser Entwicklung
etwas entgegenwirken, aber sie leider nicht aufhalten. Seit dem 23.
Anlass waren beim SDPW zusätzlich die Finanzen ein Thema. Unsere
Fachsponsoren konnten weniger Mittel sprechen, was es massiv
erschwerte, das Angebot im aktuellen Rahmen aufrechtzuerhalten. Die
Unterstützung der Sponsoren und hierbei insbesondere der
Fachsponsoren sind und waren das finanzielle Rückgrat des SDPW. Es
liegt jedoch fern, Schuldzuweisungen zu machen. Vielmehr danken wir
unseren Partnern für die Unterstützung über die letzten bald 25
Jahre hinweg.
Im Vorfeld zu diesem Entscheid hat sich die Geschäftsleitung über Monate intensiv mit den bestehenden Herausforderungen beschäftigt und verschiedenste Varianten für eine Weiterführung geprüft. Letztlich entschied sich das OK, 2017 nochmals einen vollwertigen SDPW auf die Beine zu stellen, danach jedoch einen klaren Schnitt zu machen und keinen weiteren Anlass durchführen.
Was bleibt nach dem Anlass ...?
Einerseits bleiben Erinnerungen. Andererseits, und das ist viel
wichtiger, bleibt in der Drummer-Szene viel Talent vorhanden.
Talent, welches vielleicht teilweise durch diesen Wettbewerb
gefördert werden konnte, gibt doch das Vortragen auf der Bühne
Motivation zum Üben zuhause. Das angesprochene Sprungbrett hat bei
vielen ehemaligen Teilnehmern funktioniert, das freut uns sehr. Der
Luzerne Solo- und Ensemblewettbewerb (LSEW) führt die Kategorie
Schlagzeug wieder ein, somit besteht wieder ein kantonaler
Wettbewerb.
Wir hoffen indes auch, dass neue Wettbewerbe oder Festivals in
dieser Szene entstehen.
Am Schluss bleibt ein grosses Dankeschön. Für die Unterstützung
bedanken wir uns herzlich bei den langjährigen Sponsoren,
Co-Sponsoren, Preisspendern, Inserenten und Gönnern, ohne deren
jahrelange finanzielle Unterstützung wäre ein solcher Anlass nie
möglich gewesen. Weiter möchten wir uns bei den örtlichen Behörden
und den Anwohnern von Altishofen, welche die letzten 24 Jahre die
Musiker aus der ganzen Schweiz willkommen hiessen, bedanken. Ein
Dankeschön auch an die die Juroren, welche einen fairen Wettbewerb
ermöglichten und an die Medienvertreter, welche seitenweise Berichte
über den Anlass
veröffentlichten. Ein grosses Dankeschön gehört der
Musikgesellschaft Altishofen, welche seit Beginn durch ihre
Mitarbeit die Durchführung ermöglichte. Zudem haben jedes Jahr rund
150 freiwillige Helfer den Anlass ermöglicht, herzlichen Dank für
die Mithilfe. Ein weiterer Dank geht an alle aktuellen und
ehemaligen OK und GL-Mitglieder welche Herzblut in diesen Anlass
fliessen lassen haben. Ein riesiges Dankeschön geht natürlich an den
Initianten Sepp Glanzmann und seine Familie, welche diese 24
speziellen Jahre durch ihre Idee, ihre Begleitung und die wertvolle
Mitarbeit erst ermöglichten.
Der grösste Dank am Schluss gilt aber allen Teilnehmenden – ihr habt den Anlass lebendig und interessant gemacht!
Wir freuen uns auf ein schönes Finale, welches nach fast einem Vierteljahrhundert für einen würdigen Abschluss des SDPW sorgt.
Wir wünschen allen Musikern viel Erfolg für die Zukunft.
OK Schweizerischer Drummer- und Percussionisten- Wettbewerb

Ausgezeichnet mit dem
Kulturpreis 2012 von:

15. Walliser
Percussionisten- und Drummer-Wettbewerb
in Brig-Glis
18. November 2017

Luzerner Solo- und Ensemblewettbewerbs (LSEW) 10./11. März 2018 in Triengen